Die Hornissen-Story


von Klaus Brenner, Sindelfingen


Diese Jahr hatte ich zwei Hummelnistkästen bei meiner Oma über dem Hühnerstall aufgestellt und weil ich unbedingt zwei Völker ansiedeln wollte, ging ich auf Nummer sicher und fing im Frühjahr zwei Wiesenhummelköniginnen eine sehr anspruchslose Art und setzte sie ein. Bedingt durch das Studium hatte ich jedoch danach keine Gelegenheit mehr, mich um die Nistkästen zu kümmern. Dies führte dazu, daß ich nicht einmal den Schieber des Holzbetonnistkastens verschlossen hatte, weil ich nicht sicher war, ob die Nester überhaupt angenommen worden sind.

Als das Sommersemester zu Ende war kam ich nach Hause und wollte kontrollieren, ob meine Ansiedlungsversuche erfolgreich gewesen waren. Ich holte also die Leiter, stellte sie wie gewohnt an den Hühnerstall und stieg hinauf. So näherte ich mich von vorne den Nistkästen. Ich hoffte, daß sich wie letztes Jahr die Wiesenhummelvölker gut entwickelt haben, konnte aber nach kurzer Prüfung keinen Anflug feststellen, weil es wohl schon zu spät am Abend war. Also ging ich wie gewohnt vor, nahm den oberen Deckel ab und klopfte von der Seite vorsichtig an den Nistkasten, um zu testen, ob ich ein Sirren höhren könnte. Erst tat sich nichts. Erst bei stärkerem Erschüttern spürte ich, daß sich in dem Nistkasten viele Insekten befinden mußten: Es summte und knisterte sehr stark im Nistkasten.

Aber es kam mir alles etwas komisch vor. Vor dem Nistkasten und am Boden fand ich ein paar kleinere Fetzen Polsterwolle und eine weiße Larve. All dies nahm ich aber nur recht oberflächlich wahr, weil ich voller Aufregung und Erwartung das Nest sehen wollte, das so viele Tiere haben mußte. Ich versuchte dann also, den zweiten Deckel zu öffnen. Aber zu meiner Enttäuschung ließ er sich nicht so leicht öffnen, weil er wohl – wie immer – ziemlich verklemmt war. Aber mit größerem Kraftaufwand dürfte das kein Problem sein, dachte ich.

Plötzlich hörte ich aber direkt hinter mir ein tiefes Summen, das ich nicht einordnen konnte. Denn dieses Summen war mir bisher von keiner Hummel bekannt. Ich blieb wie erstarrt auf der Leiter stehen und nun wurde mir langsam klar, daß ich in “höchster Gefahr war”. Langsam drehte ich mich um und es kam wie ich es befürchtet hatte. Ich sah, wie hinter mir eine Hornisse, der ich wohl gerade die Flugbahn versperrt hatte, den Eingang des Nistkastens anflog und darin verschwand. Ich bekam plötzlich ziemliche Angst und versuchte, so schnell wie möglich, die Leiter runter zu steigen. Dabei verfing ich mich auch noch an einem Nagel. Als ich am Boden war, steckte die Angst noch tief in meinen Knochen und die Tragweite dieser Aktion wurde mir auf einmal voll bewußt:

Gerade noch stand ich auf einer Leiter, ungefähr 1,5 m über dem Boden und das Einflugloch war gerade mal 30 cm vor mir in Brusthöhe. Hätte ich nicht zufällig einer Arbeiterin den Weg versperrt, hätte ich vermutlich durch das Öffnen des Nistkastens ein Hornissennest regelrecht auseinandergerissen, wäre gleich mehrfach gestochen worden und wahrscheinlich von der Leiter gefallen. Dazu kam, daß ich zwei Tage später in den Urlaub fahren wollte, was dann sicherlich ins Wasser gefallen wäre…

Ich könnte es verstehen, wenn Du Dich vor Lachen nicht mehr halten könntest.

Zum Glück ging doch noch alles gut. Es wird mir eine Lehre sein, in einen Insektenstaat ab jetzt nur noch mit einer gehörigen Portion Respekt einzudringen.


Umweltgarten


Meine Imkerei
Die Bienen, der Imker
und der Honig…

Imkerei Alex Schlecht